Vom Millionär zum Tellerwäscher

FLÜCHTLINGSDRAMA

Es war einmal ein junger Mann. Nachdem sein Elternhaus bombardiert und in Schutt und Asche gelegt worden und auch seine ganze Familie umgekommen war, machte sich der Kriegswaise Abadin auf die Flucht. Er schlief viele Nächte unter dem weiten Himmelszelt und zählte Millionen Sterne. Er sah so viele Sternschnuppen, doch er hatte nur einen Wunsch: zu überleben. Damit dieser Wunsch in Erfüllung gehen konnte, packte er sein Hab und Gut, ein sehr kleines Bündel, und machte sich auf den Weg ins gelobte Land, das Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Hürden, die es zu überwinden galt, wurden immer höher, je mehr Menschen seinen Wunsch teilten, die Grenzzäune stacheliger und unüberwindbarer. Früher ertranken viele von seinen Leuten im Mittelmeer. Heute immer noch. Aber die, die es überleben, werden fortan zurückgeschickt. Wo kämen wir auch hin, wenn da jeder kommen könnte? Das Boot ist voll. Welches? Alle.

Abadin schaffte es trotzdem bis in ein Flüchtlingslager. Dieses Mal war das Zelt fest und es war eng, denn nun galt es, neben seinem Traum auch den begrenzten Platz mit vielen anderen zu teilen. Der Überlebenskampf ging weiter. Er hatte gehört, dass einige es noch weiter gebracht hatten als er bis hierher: bis zum Tellerwäscher oder einem anderen unqualifizierten Frondienst. Er hätte studieren können und sollen, wenn es nach den Eltern gegangen wäre. Doch Ihre Stimmen waren für immer verstummt und Abadin dachte bei sich: ich muss nehmen, was ich kriegen kann. Besser als nichts. Das nackte Überleben wäre ihm auf Dauer doch zu wenig. Er wollte sich gerne etwas zum Anziehen kaufen können, von seinem eigenen Geld. Am liebsten auch eine Wohnung, eine Frau und Kinder. Aber in seinem neuen Zelt sah er keine Sternschnuppen mehr – und wünschte sich dennoch ein besseres Leben und eine Zukunft. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so hoffte er weiter. Denn im fernen Osten gibt es ein schönes Sprichwort: Jede Geschichte geht gut aus. Und wenn nicht, so ist es nicht das Ende.

 

Motive meiner Bilder-Sprache: Sinnlichkeit, Reflexion und Humor.

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