Stillstand

geistige Windstille

Es gab eine Zeit, da war ich sehr umtriebig. Vielleicht habe ich mich an der einen oder anderen Stelle sogar übernommen. Aber ich war erfüllt und habe es genossen.

Seit geraumer Weile will mir nichts mehr einfallen oder gelingen. Der Verlust von Ambitionen und dem dazugehörigen Antrieb ist irritierend. Hat sich ein schwarzes Loch in meine Seele gebrannt und absorbiert Freude, Farbe und Fantasie?

Wo bleibt der dritte Frühling, wenn ich ihn brauche?

positiv

Test

Corona ist eine entfernte Bekannte. Seit Jahren spielt sie eine große Rolle in meinem Leben, aber jetzt ist sie zum ersten Mal persönlich zu Besuch.

Einst überlegte ich, wie ich wohl mit diesem Störenfried umgehen würde. Ein kleiner Meinungsaustausch bei einer Tasse Tee?

https://www.tiefgang.net/galgenhumor/

Der Tee ist schon getrunken und das Schweigen wird langsam peinlich. Ich dachte, ich hätte dem Virus viel zu sagen, doch jetzt bin ich scheinbar auf den Mund gefallen.

Vielleicht hält mich Sorge zurück. Mich im Ton zu vergreifen, meinen ungebetenen Gast zu brüskieren, der es mir dann heimzahlt. Andererseits will der Ärger raus. Der Groll ist groß.

Ich frage also: Musste das sein? Dass du hier bei mir unangemeldet aufkreuzt? Okay, damit gerechnet habe ich schon, dass wir uns mal persönlich kennenlernen. Aber jetzt im Sommer? Andererseits: warum nicht? Ist vielleicht sogar günstiger als im Herbst oder Winter… Ich hoffe jedenfalls, dass du dann nicht nochmal auf der Matte stehst.

Ich frage dich: Was willst du eigentlich? Machst dich überall breit auf unser aller Kosten… verbreitest kurzfristig Angst und Bange, mittel- und langfristig Kummer und Sorgen! Hast du auch was Erfreuliches an dir? Wie wäre es mit einer kleinen Aufmerksamkeit für mich, deine Wirtin?

Vielleicht bin ich ungerecht, wenn ich dich dafür verantwortlich mache, wie sich die Dinge entwickelt haben. Aber seitdem du aufgekreuzt bist, ist mir nach und nach fast alles abhandengekommen, was mir viel bedeutet hat. Wegen dir fühle ich mich abgekoppelt von meinem alten Leben. Eingekapselt im Wartehäuschen meiner Sehnsucht nach wildem Drauflosleben.

Dein Timing war unter aller Kanone! Es lief gerade alles so gut, mit dem Schreiben und überhaupt, bis du vor zweieinhalb Jahren über uns hereingebrochen bist.

Und jetzt guck dir das an, was du bisher allein bei mir angerichtet hast: alles weg! Nichts ist übrig von meinen Ambitionen. Und mein Selbstbewusstsein… ein einziger Scherbenhaufen! Als hätte jemand die Luft aus allem rausgelassen. Das musst du ja wohl gewesen sein, wer sonst? Spielverderber*in!

Aber hier und jetzt, räche ich mich. Jetzt bist du bei mir und musst dir mein Gezeter anhören.

Wenn’s dir nicht passt, hau doch ab!

 

 

Meeresrausch

Seesucht

Das Meer zieht mich immer und immer wieder in seinen Bann. Wie oft habe ich schon gedacht, ich kenne das alles doch schon… die wogenden und brechenden Wellen; die vorüberziehenden Wolken; die Regenschauer in blickdichtem Grauschleier; und nicht zuletzt das Licht, das irgendwann und irgendwo hervorbricht und alles in neuem Glanz erstrahlen lässt oder auch nur einen Silberstreif am Horizont zeichnet.

Die Faszination hält ein Leben lang. Ist offenbar ewig.

Oasen

Wohlfühlklima

Es gibt sie noch, die kleinen problemfreien Zonen. Innerhalb der eigenen vier Wände, auf dem Balkon, im Garten. Unter Pflanzen.

Sogar auf der Arbeit pflege ich eine innige Verbundenheit.  Die Pflanzen scheinen sich durch Zuwendung und Fürsorge umso wohler zu fühlen und danken es mit einem Beitrag zum gutem Betriebsklima.

Oder umgekehrt. So schöne Energiequellen haben es verdient, dass wir ein Auge auf sie haben.

 

 

fruchtbar

unterirdisch

Unter der Oberfläche sind Nährstoffe, auf die ich auch in Zukunft zählen möchte. Selbst dort, wo verbrannte Erde hinterlassen wurde, kann eines Tages Neues erwachsen.

Ich hoffe, ich liege nicht falsch, wenn ich daran glaube.

 

 

Zerstörung

entwurzelt

Schockierend. Boden und Blut. Klimakrise und Krieg. Zerstörung das beherrschende Thema. Was man für stabil hielt, ist unerwartet zerbrechlich.

Dass Frieden kein Dauerzustand ist, hatte ich schon seit Jahrzehnten im Hinterkopf. Theoretisch habe ich mit Krieg gerechnet. Aber jetzt, wo es ernst ist, überrascht es mich doch.

Statt zusammenzuhalten, um mit vereinten Kräften die größte aller Bedrohungen abzuwenden, gibt es immer mehr Spaltung.

Angesichts der Lage fühle ich mich geknickt.

Aus ihrem Leben gerissen und am Boden zerstört sind natürlich die unmittelbar Betroffenen, aber auch hierzulande ist es eine Zäsur.

 

 

 

erschreckend

kein Scherz

Ich würde gerne auf die Wunderwaffe Humor zurückgreifen, doch sie hat Ladehemmungen. Beim erschütternden Spaziergang heute dachte ich: Da hat der Sturm neulich die Fichten ja gleich dutzendfach flachgelegt. Ein stürmischer Eroberer, dessen Opfer nie wieder aufstehen werden.

Bei schönsten Sonnenschein nahm ich den Schaden in Augenschein. Ich war betroffen angesichts der Verwüstung. Einzig das nachwachsende Grün macht Hoffnung.

Motive meiner Bilder-Sprache: Besinnlichkeit, Reflexion und Humor.