Geduld

wertvolle Hinweise

Gestern blätterte ich in alten Aufzeichnungen, die ich vor einigen Jahren machte. Ausgelöst durch eine individuelle Krise, beschäftigte ich mich mit einigen substanziellen Fragen.

Bei der aktuellen und kollektiven Corona-Krise fiel ich erneut erst einmal in ein Loch, das viel Energie absorbierte. Doch so langsam komme ich heraus aus dem Stimmungstief und fasse wieder Mut.

Beim Studieren meiner Notizen stellte ich fest, dass ich sehr viel von den seinerzeit formulierten Zielen erreicht habe, d. h. ich verwirklichte meine Wunschvorstellungen. Größtenteils.

Dadurch wurde ich daran erinnert, wie elementar wichtig eine bewusste Geisteshaltung ist, um Schwierigkeiten zu meistern und Kraftquellen zu finden, die unabhängig von äußeren Einflüssen sind.

WIE ich eine Situation wahrnehme, hat Auswirkungen darauf, was der äußere Einfluss „mit mir machen kann“. Wenn ich sie akzeptiere, vergeude ich meine Energie nicht mit Trotz und Trübsal.

Ich versuche, in diesem Moment die Möglichkeiten zu sehen und das Beste daraus zu machen, statt mich in Schreckensszenarien hineinzuschrauben. Die ängstliche Frage „Was, wenn…?“ leistet dem Vorschub. Ich will aber kein Opfer der Angst werden. Ich entscheide mich lieber für Lebensqualität.

In der Krise offenbart sich ein dynamischer Charakter bzw. kann sich ausformen. Ich übe mich in Geduld  und besinne mich bis dahin auf das, was gut ist.

 

Aufwind

Notlösung

Als wären die Zeiten nicht schon schwer genug, kann ich plötzlich keine neuen Bilder mehr in meinem Blog hochladen. Ist das Datenvolumen ausgeschöpft? Die Bibliothek dieser Seite hat sich im Laufe der Zeit prall gefüllt, ich kann zur Not aus einem reichen Fundus schöpfen. Ich würde aber lieber frische Fotos verwenden.

Eigentlich schade, dass sich hier ein neues, wenn auch vergleichsweise kleines Problem abzeichnet, denn das Wetter ist schön, meine Spaziergänge im Freien tun mir gut und ich würde gerne den einen oder anderen schönen Augenblick beschreiben.

Zum Beispiel meinen Besuch gestern bei Antje in ihrem geheimen Garten. Aber ohne ein Bild davon fehlt etwas von dem Zauber, den ich vermitteln möchte.

Einsicht

gegenwärtig

Seltsam, plötzlich besinne ich mich wieder auf mich selbst, auf das, was ich vor der Krise glaubte, was ich ahnte und sogar ansprach.

Am 07. März las ich Kolumnen vor, davon mehrere, die noch gar nicht veröffentlicht wurden, denn plötzlich übernahmen die äußeren Ereignisse das Ruder.

Eine davon erscheint unter den gegebenen Umständen geradezu hellsichtig, wobei der Grundgedanke zeitlos gedacht war.

Ich werde die Kolumne um eine Anmerkung ergänzen und für kommenden Samstag planen und hoffen, dass nicht wieder etwas dazwischen kommt.

Anfang

back to the roots

Heute früh erinnerte ich mich an meine erste Kolumne mit TIEFGANG, dem Online Feuilleton der Initiative Suedkultur.

Sie hieß EINSATZ IN VIER WÄNDEN, weil ich mich zu der Zeit ebenfalls in häuslicher Abgeschiedenheit aufhielt, wenn auch aus anderen Gründen. Ich versuchte, das Beste aus einer misslichen Lage zu machen, und finde, dass mir das auch ganz gut gelungen ist.

Doch zuvor hatte ich schon die Kraft des Schreibens entdeckt und nahezu täglich Buch geführt über Stimmungen und Gedankenfetzen, die mir durch den Kopf gingen. Meine Tagebücherei entfaltete eine wohltuende Wirkung.

Nun denke ich über Möglichkeiten nach, mich mit anderen zusammenzutun, unsere Eindrücke während dieser außergewöhnlichen Zeit zu sammeln und vielleicht später eine Gemeinschaftslesung nebst Ausstellung zum Thema zu machen.

 

klar Schiff

machen

Wenn das so einfach wäre! Aber ich will mich nicht beklagen.

Es könnte schlimmer sein. Ich habe ein schönes Zuhause, bin nicht einsam, kann noch raus und habe sogar noch ein paar Rollen Klopapier, Wasser, Strom und ein fantastisches Netzwerk, auch wenn viele Aktivitäten derzeit ruhen müssen.

In diesen müßigen Stunden, in denen ich keine Lust habe, zu putzen oder aufzuräumen, mich auf kein Buch konzentrieren kann und immer müde bin, kann ich es vielleicht einfach mal ertragen, dass nix mit mir los ist.

hätte, hätte

Fahrradkette

In der Vorstellung ist vieles oft anders, als wenn der Fall dann eintritt. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich… dieses und jenes. Es ist leider ernüchternd festzustellen, dass auch ein Vakuum entstehen kann, das eben jene Energie absorbiert, die man meinte hinzugewinnen zu können.

Der Schlüssel ist die Dynamik. Wenn man erst einmal zugange ist, bei was auch immer, geht einem alles leichter von der Hand, weil man bereits in Schwung ist. Dagegen bedeutet ein erster Schritt aus dem Stillstand heraus das Überwinden der Trägheit der Masse.

Die derzeitige Lähmung kann ich eigentlich nur überwinden, indem ich selber für den Aufschwung sorge und mich aus einem guten Grund in Bewegung setze. Zum Beispiel, um aus dem Tief herauszukommen.

ängstlich

wie gelähmt

Ich bin Risikopatientin und habe die konkrete Angst, mich anzustecken und vielleicht zu sterben, möglicherweise qualvoll, wahrscheinlich isoliert.

Als es mir und meinen Atemwegen letzten Monat sehr schlecht ging, bereitete ich mich mental darauf vor und dachte: Nun, dann sterbe ich eben – nachdem ich ein Leben gelebt habe. Mit zunehmendem Alter MEIN Leben, also ein selbstbestimmtes, erfüllt von vielerlei, das ich selber wählte.

Als es mir besser ging, fingen äußere Umstände an, mein Leben einzuschränken. Lesungen und Konzerte wurden abgesagt, Cafés und Kultureinrichtungen geschlossen, soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert. Das machte mir zusehens zu schaffen.

Ein Todesfall in der Familie ohne Corona-Beteiligung verstärkte die Traurigkeit und das Gefühl von Verlust, weil nicht mehr in Gesellschaft getrauert und getröstet werden durfte.

Online beschwören wir alle Verbundenheit. Ich suche sie, finde auch ein kleines Stück vom Glück, aber es ist nicht dasselbe. Die Lücke in meinem Leben ist größer als gedacht. Ich nahm an, ich könnte gut alleine sein und mich selbst beschäftigen. Doch der Antrieb leidet.

Mir fehlt dieses Lebenselixier. Die Energie im Raum, die freigesetzt wird, wenn sich Menschen begegnen. Emojis sind nur ein sehr schwacher Trost und kein Ersatz für gefühlte Begeisterung, für hörbaren Applaus und sichtbare Rührung in Gesichtern.

Ich frage mich, wie lange ich diesen Entzug verkraften werde bzw. wie ich ihn möglichst unbeschadet überstehen kann. Könnte ich nur alles ausblenden und vergessen, warum die Welt den Atem anhält…

Dann könnte ich es mir daheim gemütlich machen, in Ruhe entpannen und ein gutes Buch lesen. Doch das Wissen ist da, schleicht sich beim Lesen zwischen die Zeilen und malt schwarze Schatten an die Wand. Es will mir nicht gelingen, abzuschalten.

Mich beschäftigt auch die Frage nach den gesellschaftlichen Verwerfungen, die die Krise mit sich bringt. Wer wird gut durch diese schwierige Zeit kommen und wer nicht? Wer wird den Shutdown überleben und zu welchem Preis?

Ich sehe massenhaft Existenzen auf dem Spiel, einen enormen Schub für die Digitalisierung, eine Schwächung von Bürgerrechten, eine beängstigende Macht-Konzentration und viele offene Fragen.

Um meinen Arbeitsplatz muss ich im Gegensatz zu vielen anderen nicht bangen. Ich habe mein Auskommen mit meinem Einkommen, kann sogar etwas abgeben von dem, was ich habe.

Dafür ist die seelische Not groß und die reale Sorge, wie es weitergeht. Früher oder später werden sich wohl die meisten anstecken, und was das für mich bedeutet, ahne ich.

Ich bin noch nicht so weit, dass ich einen Plan habe, wie ich heil und nach Möglichkeit gestärkt die Krise überstehen kann. Aber ich denke darüber nach und finde hoffentlich bald einen Ausweg aus dem persönlichen Tief.

Alles Gute von oben

aus der Distanz

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Ich finde, es sollten mehr Dichter und Denker, Künstler und Kritiker im Shuttle schweben und die Welt von oben betrachten, bestaunen, beschreiben und besingen dürfen.

Die Astronauten sind natürlich auch Menschen. Auch sie sehen unseren blauen Planeten aus der Distanz mit anderen Augen. Können sie das in so schöne Worte fassen, welche dem Großen und Ganzen gerecht werden? Statt wissenschaftlicher Daten würde mich eher eine allumfassende Poesie interessieren.

Ich träume mich immer mal wieder ein wenig hinauf, aber das ist natürlich etwas anderes als der vermutlich atemberaubende Anblick von unserem schönen, runden und blauen Planeten in seiner ganzen Vollkommenheit.

Andererseits ist die Perspektive gen Himmel auch ganz schön. Und auch die Aussicht, unter Menschen gehen zu können.

Zwischen hier und jetzt

Mut und Losigkeit

Ich schwanke seit Tagen zwischen äußerer Abkehr und innerer Einsicht, gefangen zwischen den Grenzen meines Wissens und meiner Wahrnehmung. Die Stille scheint trügerisch wie die Ruhe vor einem Sturm. Die Welt hält den Atem an und wappnet sich für eine Katastrophe. Was erwartet uns?

In einem Augenblick zeige ich mir selbst einen Vogel und denke: Ist doch alles Irr-Sinn! Alles halb so wild, wie es uns weisgemacht wird.

Dann bekomme ich einen anderen Schreck, weil es bedeuten könnte, dass wir manipuliert werden. Das darf aber erst recht nicht wahr sein!

Dann denke ich, komm‘ mal wieder runter und leiste dem Misstrauen keinen Vorschub!

Im nächsten Augenblick nehme ich alles wieder todernst und dann denke ich… und denke… und denke… und das macht mich ganz nervös.

Motive meiner Bilder-Sprache: Besinnlichkeit, Reflexion und Humor.