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Loblied

auf die Literatur

Dazu meine persönliche Fußnote.

Für leichte Lektüre bin ich kaum zu begeistern. Stattdessen bilde ich mir gerne etwas auf meinen guten Geschmack ein.

Dieser hat mit dem Wunsch zu tun, überrascht zu werden. Das Gelesene soll mich unvorhersehbar berühren und beschäftigen.

Nicht wie bei den gekonnt geschriebenen Büchern, die gezielt stereotype Emotionen abrufen. Ja, sie wissen was sie tun und verstehen ihr Handwerk, erzeugen Spannung, hauchen ihren Figuren Leben ein und vermögen auch auf Tränendrüsen zu drücken.

All das mag funktionieren, bleibt für mich jedoch bedeutungslos.

Zudem stoßen leicht durchschaubare manipulative Eingriffe in meine Gefühlswelt bei mir schnell auf Widerwillen.

Ganz anders dagegen bei von mir hochgeschätzten Literaten, die ihr Motiv zurückhaltend verschlüsseln. Schriftsteller, die sich einerseits originell ausdrücken oder gar virtuos mit Sprache umgehen und andererseits zwischen den Zeilen Platz lassen für eigene Überlegungen, denen ich bereitwillig nachspüre.

Literatur vermag Inneres zum Klingen zu bringen. Wenn ein ansprechendes Lied angestimmt wird, lausche ich andächtig und fühle mich wahrhaftig bewegt.

Literatur

eine Frage der Definition

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Wenn ich den Begriff Literatur höre, denke ich an Anspruchsvolles. Doch worin der Anspruch eines jeden einzelnen oder einer ganzen Gesellschaft bestehen mag, bleibt unklar.

Wen oder was soll Literatur ansprechen? Eine Bildungselite, die sich gerne hochgestochen ausdrückt, um intellektuelle Überlegenheit mit Schlaumeierei zum Ausdruck zu bringen?

Oder möchte sich Literatur nur abgrenzen von kommerziellen Schinken und Arztromanen, die vor allem Unterhaltungswert haben, weil sie gefällig geschrieben sind?

In einer von vielen Definitionen heißt es, es handele sich um schriftlich fixierte sprachliche Zeugnisse. Das gefällt mir.

Authentische Sprache kann mir manchmal mehr sagen und als 1000 Tonnen Hoch- oder Massenliteratur. Ich sage das auch im Sinne von Götz von Berlingen.

Vermutlich verhält es sich wie mit der Kunst. Auch dort gehen Geschmäcker und Verstand getrennte Wege. Die einen handeln damit, die anderen lassen sich von etwas ansprechen.

Gutes muss nicht teuer sein, aber am besten mit Herzblut gemalt oder geschrieben. Punkt.

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Tanz in den Mai

„Dunkler als erlaubt“

Leona

Einer inneren Stimme folgend besuchte ich am 30. April die KulturWerkstatt, um Leona Stahlmann anzuhören. Schon ihr Foto im Programmheft der SuedLese hatte mich angesprochen und der Text meine Neugier geweckt.

Es war der letzte der Harburger Literaturtage und zum Niederknien. Es war, als hörte ich anspruchsvolle Musik, die etwas in mir zum Klingen brachte, die ich aber nur ansatzweise verstand. Das weckte Sehnsucht nach ihrem Buch, um das gesprochene Wort nachlesen zu können.

In der Pause versuchte ich, meine sprachlose Begeisterung in Worte zu fassen. Diese Lesung glich einer gehaltvollen Pralinenschachtel, die meine Geschmacksknospen überforderte.

Ich würde so gerne das Buch in Händen halten, um Stück für Stück zu genießen und Satz für Satz tiefer eintauchen in die Sprache. Eine Perle, ein Schatz, der noch gehoben werden muss, denn das Buch ist noch nicht erhältlich. Sonst wäre ich jetzt damit beschäftigt, es zu lesen, statt hier etwas Unsagbares beschreiben zu wollen.

Hoffentlich findet die vollzeitbeschäftigte Autorin neben ihrer Arbeit bald die Muße, sich weiter ihrer Schriftstellerei zu widmen und das Buch zu vollenden.

Meine Geduld sagt mir: Das Warten lohnt sich.

Leona Stahlmann

lohnenswert

SuedLese letzen Sonntag in Wilhelmsburg

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Ich fuhr zur Deichdiele, um Susanne Bienwald zuzuhören. Es wurde eher ein Lauschen, weil sie mich von Anfang an mitnahm auf die Reise von Friedrich Hebbel.

„Da geht einer“ beschreibt seinen beschwerlichen Weg von München nach Hamburg, von Armut zu angestrebtem Ruhm. Er hält sich für einen bedeutenden Dichter.  Mit dem Damoklesschwert des Scheitern über seinem Kopf, geht er hocherhobenen Hauptes in der festen Überzeugung von seiner eigenen Herrlichkeit .

Susanne Bienwald gelang nicht nur das Kunststück, die inneren Dialoge dieses damals noch unbekannten und gleichwohl eingebildeten Autors zu beschreiben, sondern weckt mit ihrer eigenen Sprache gleichfalls die Liebe zur Literatur zum Leben.

Mir hat die Lesung ausgesprochen gut gefallen, zumal die Autorin sehr gut vortragen kann. Ich freue mich schon auf den Herbst, wenn sie im Komm du aus einem anderen Buch lesen wird: Wittensee.

Auf dem Klappentext sagt die Protagonistin: „Es war anstrengend, so zu sein, wie die anderen mich haben wollten“