(keine) Peilung

im Dunkeln tappen

Das Woher fast vergessen, das Wohin verloren.

Schockgeschwängert von der erzwungenen Distanz,

trug ich die Angst aus,

es könnte so bleiben.

Um die innere Unruhe im Keim zu ersticken,

verharrte ich regungslos

im Loch,

das in mein Leben gestanzt wurde.

Aber nun sehe ich wieder

Licht am Ende des Tunnels.

unklar

Trennscheibe

Einer von vielen Sonnenuntergängen aus Sicht des Sofas. Das Spiegelbild blendet bei gutem Wetter über Eck. Zum Abschied des Tages kann man sich bequem zurücklehnen.

Oft sehne ich mich nach dem unbeschwerten Gestern, das schon so lange her zu sein scheint. Ich habe keine Zukunft vor Augen, keine Vorfreude. Stecke fest in einer verschwommenen Gegenwart.

Die Wirklichkeit wirkt wirklich unecht unter den gegebenen Umständen.

Höhlenmalerei

Krafttier

Angeregt durch einen Artikel von Ulrike Hinrichs, https://loesungskunst.wordpress.com/2020/06/27/hausmittel-aus-der-kreativapotheke-krafttiere/ kam mir spontan ein Pferd in den Sinn. Je länger ich frei assoziierte, desto stimmiger fühlte sich dieses Bild an.

  • folgsam, angepasst, dressiert
  • scheu (Fluchttier)
  • belastbar (aber nicht unbegrenzt)
  • PS (Pferdestärke)

Mein Krafttier bäumt sich wohl gerade vor dem Hintergrund meiner Traurigkeit auf. Es scheint eingeknickt zu sein, oder macht es brav „Männchen“?

Beim Malen passiert etwas. Ich sehe und fühle und erkenne – und die Energie ändert sich. Die Kraftübertragung hat bereits begonnen.

Brauche ich noch einen weiteren Grund, einen stabileren Stand?

Die Konturen werden klarer. Jetzt wird sichtbar, dass es etwas Dunkles gibt, das mich  zurückhält. Freiheitsdrang vs. Anhaftung.

Ob mir meine Angst eines Tages Flügel verleiht? Muss ich sie malen, damit sie wahr werden?

 

Bildmaterial

Silberstreif am Horizont

Ich mache mich – wieder einmal – auf den Weg zu einem  Horizont, der danach schreit, erweitert zu werden. Es gibt einiges aufzuarbeiten. Das mag kryptisch klingen, aber ich will absichtlich vage bleiben.

Es geht an dieser Stelle nicht um die Schilderung von konkreten Umständen, die in meinem Leben eine Rolle spielen. Dafür gibt es andere, weitaus bessere Gelegenheiten. Aber hier ist der Ort, an dem ich Bilder und Worte für Gemütszustände finden will.

Es ist mein persönliches Poesiealbum, in das ich hineinschreiben kann, was und wann immer ich will. Es gibt keine Vorgaben, nur die Freiheit, mich so auszudrücken, dass es sich für mich stimmig anfühlt.

tintenblau

schmerzlich schön

Die blaue Stunde erlebte ich hautnah am 20.06.2020. An dem Abend war ich schweren Herzens das erste Mal nach dem Lock down wieder auf einem Livekonzert. Die knapp 40 Gäste der Fischhalle Harburg saßen in gebührendem Abstand auf der Terrasse verteilt auf den ihnen zugewiesenen Plätzen, die nicht verschoben werden durften, um die Corona-Auflagen zu erfüllen.

Es hatte mich Überwindung gekostet, zu der Veranstaltung zu gehen, obwohl ich mich auf die Musik von Werner Pfeifer und der Hafenbande freute, besonders auf „Das eine Lied, das mich auf Händen trägt“ und „The longer the waiting, the sweeter the kiss“. Aber in meiner derzeit desolaten Verfassung bin ich menschenscheu – denn ich fühle mich verloren ohne mein Lachen. Ich vermisse den Elan und die Unbeschwertheit vergangener Tage.

Die helle, klare Stimme von Sabine Dreismann ließ mich vorübergehend alle Schwere vergessen. Sie trug mich bis in den siebten Himmel. „Gib´ mir ein Wunder!“, sang sie. Ich blickte aufwärts und sah ein sagenhaft intensiv leuchtendes Blau. „The longer the way“ gilt auch für das Dämmerlicht, das auf besondere Weise den Himmel nach Sonnenuntergang vor Eintritt der nächtlichen Dunkelheit färbt.

Die Überdachung bildete aus meiner Perspektive eine Diagonale, die das Rot der Bühnenbeleuchtung vom Firmament trennte. Ein wunderschönes Kontrastprogramm.

Hier unten warmherziges Licht und oben das tiefe Blau meiner Melancholie, denn ich fühlte mich abgeschnitten vom Puls der Zeit und als säße ich auf einer einsamen Insel. In Gesellschaft zwar, doch die reichte nicht an das heran, was ich mir an Nähe wünschte.

Mir kam das Bild von Papillon in den Kopf: ein tätowierter Schmetterling, der nicht auf und davon kann, nicht vor und nicht zurück. Sein Dasein wird festgehalten, gestochen scharf für einen ewigen Augenblick, die Flügel ausgebreitet unter einer atmungsaktiven Oberfläche.

Was mir unter die Haut ging, war wohl die Sehnsucht, wieder unbekümmert durch die Gegend zu fliegen.

 

 

Motive meiner Bilder-Sprache: Besinnlichkeit, Reflexion und Humor.