Auszeit

un-heimlich

Die Angst nicht für sich behalten, sondern sie aussprechen, rauslassen und spazieren führen.

Im übertragenen Sinn rückt die Gesellschaft zusammen. Solidarität bricht die Oberflächlichkeit auf.

Ich hoffe auf einen nachhaltigen Wertewandel.

 

Zuversicht

  sammeln

Blütenblätter zählen. Ich schaffe das, ich schaffe das nicht, ich schaffe das…

Tatsächlich ging es mir nach einem anhaltend schwachen Moment wieder ein wenig besser, nachdem ich draußen Energie getankt hatte.

Unterwegs stellte sich zum Glück und wie von selbst eine innere Stärke ein, die meiner Angst den Wind aus den Segeln nahm. Zuhause im sicheren Hafen sonnte ich mich noch eine Weile im Echo einer optimistischen Perspektive.

Ich fand zurück zu Ruhe und Gelassenheit.

Resilienz

verloren

In der angespannten Lage fühlt sich mein Nervenkostüm ziemlich löchrig an. Ich suche nach meiner Widerstandskraft. Während einer persönlichen Krise machte ich mir Notizen, was in schwierigen Zeiten hilft.

Momentan könnte ich konstruktive Ratschläge gut gebrauchen. Also werde ich mich auf die Suche machen und hoffen, dass ich etwas mit meinem persönlichen Maßnahmekatalog anfangen kann.

 

Shutdown

Husten, wir haben ein Problem

Ich fühle mich schachmatt gesetzt. Mein innerer Widerstand gegen die Maßnahmen ist ungebrochen, trotzdem halte ich mich vorsichtshalber brav an alle Ge- und Verbote der Stunde, die täglich verschärft werden.

Meine Wahrnehmung liegt zwischen Zwiespalt und Zusammenhalt. Ich bin häufiger online, als mir lieb ist. Aus dem einfachen Grund, weil ich die Verbundenheit zu anderen Menschen aufrecht erhalten will.

Ich sitze abends vor dem Fernseher wie das Kanninchen vor der Schlange und warte mit bangem Herzen auf die nächsten harten Einschnitte, die mich meiner Freiheit berauben.

Während ich noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine nicht unerhebliche Strecke zur Arbeit zurücklegen muss, obwohl ich zur Risikogruppe gehöre und es dort nichts zu tun gibt, worauf es im Moment ankäme, dürfen sich nicht mehr als drei Leute versammeln.

Dagegen steht noch nicht fest, ob die Olympischen Spiele abgesagt werden. Ich sehe eine Menge deutscher Touristen, die dicht an dicht gedrängt darauf warten, nach Hause geholt zu werden und geschlossene Grenzen. Als würde es Viren interessieren, wo sie ihren Wirt finden.

Auf allen Kanälen wird gesendet, was an Prognosen und Statistiken  mit wissenschaftlicher Expertise zu Rate gezogen wird. Jede Person, die sich nicht konform zum aktuellen Stand verhält, wird als rücksichtslos und egoistisch angeprangert.

Ich höre die kämpferischen Parolen der Regierungsoberhäupter und ihre Beschwörungen, gemeinsam der Lage Herr zu werden. Das Gemeinsame wird auf das Notwendigste beschränkt, und was notwendig ist, wird entschieden.

Wir haben da kein Wörtchen mitzureden, denn wir sind ja keine Experten, sondern sollen uns vertrauensvoll auf deren Urteil verlassen. Zweifel an den eingeleiteten und noch zu erwartenden Maßnahmen kann sich kaum jemand leisten. Es ist ein Totschlagargument.

Mich irritiert die Entschlossenheit, mit der vorgegangen wird – sowas hat die Welt noch nicht gesehen! Ab nach Hause, bis der Spuk vorüber ist. Wann das sein wird, kann heute noch kein Experte sagen, aber wir werden mit Sicherheit auf dem Laufenden gehalten. Bis dahin heißt es: Folge leisten. Keine Widerrede!

Trauer

Stillstand

Wenn ein Herz aufhört zu schlagen, kommt etwas in uns zum Stillstand. Wir erstarren und staunen und versuchen, das Unfassbare zu begreifen.

Die Welt dreht sich weiter, aber sie gerät für uns aus dem Takt, weil sich Augen nicht mehr öffnen und ein Odem sich verflüchtigt.

Man wartet insgeheim darauf, dass sich der Brustkorb nochmals hebt und senkt, mit dieser Selbstverständlichkeit, mit der er es ein Leben lang getan hat.

Doch das tut er nicht. Während unaufhaltsam die Körperwärme entweicht, bietet nur der friedliche Anblick Trost, weil Schlafes Bruder das Antlitz glättet.

Und während ich noch dabei bin, den Verlust zu betrauern, fährt jener Geist in mich, der mich wissen lässt, dass die Seele des Verstorbenen unsterblich ist.

 

 

Wünsche

wenn ich eine Fee sehe

… werde ich mir wünschen, dass alle diese schwierige Zeit gut überstehen. Das Virus zieht das ganze soziale und kulturelle Gefüge in Mitleidenschaft.

Aber es gibt auch Hoffnungsschimmer. Beispielsweise fiel er heute früh durch den Schlafzimmervorhang. Und wie man sieht, war er nicht alleine, sondern erschien als schönes Vorbild in Sachen Solidarität.

SuedLese

Glück gehabt

In Anbetracht der Umstände kann ich mich glücklich schätzen, dass meine Lesung so gut besucht war.

Auf den Literaturtagen im Harburg liegt nun ein schwerer Schatten. Veranstaltungen werden reihenweise abgesagt und ich bange mit den Orten der Worte, dass sie diese schwierige Zeit überstehen mögen.

 

Motive meiner Bilder-Sprache: Besinnlichkeit, Reflexion und Humor.