Alle Beiträge von Sonja Alphonso

Todestag

sehr plötzlich von der Bildfläche verschwunden

Unerwartet verstarb am vergangenen Freitag eine Nachbarin in unserem Haus. Wie immer reagiert man ungläubig, wenn jemand, der wie selbstverständlich immer da war, plötzlich verschwunden ist.

Doch der Tod lässt sich nicht wegdiskutieren mit Argumenten wie: „Aber gestern habe ich sie doch noch gesehen.“

Vielleicht lässt der Nahtod mit sich reden, wenn die Seele verspricht, ein gutes Wort für den gefürchteten Moment einzulegen. Manche berichten nach einer solchen Erfahrung von einem hellen Licht. Erlösung zu finden und in Frieden zu ruhen, ist nicht die schlechteste Vorstellung über den Tod hinaus.

Was bleibt, ist Betroffenheit der Lebenden, Beileid für die Hinterbliebenen und eine Lücke, die sich erst später schließen wird.

Glückwunsch

dieser Tag könnte dein Geburtstag sein

Um ihn mit einem Fest für die Augen zu begehen, habe ich einen hübsch herbstlichen sowie halbwegs haltbaren Baumstrauß zusammengestellt.

Er ist wie ein dehnbarer Begriff und bestens dafür geeignet, aus einem ganz normalen Wochentag einen Freudentag zu machen. Also: freut euch des Lebens!

 

Aufnahmestopp

chaotische Zustände

In meinem Oberstübchen sieht es derzeit aus wie bei Hempel´s unter´m Sofa. Ideen und Vorhaben stapeln sich, teilweise überlagert von Bedenken. Zudem wirbelt Zugluft Textfetzen, Visionen und anderes Bildmaterial durcheinander und zerstreut meine Pläne von geruhsamer Gelassenheit.

Dauernd gibt es Nachschub, und ich fühle mich unaufgeräumt. Deshalb stellt sich mir jetzt die Frage, woher ich auf die Schnelle einen neuen Besen her bekomme. Die sollen angeblich besonders gut kehren. Eine Redewendung, die mir sehr gelegen käme.

Konfliktpotential

Ist das Kunst oder soll das weg?

In abgewandelter Form stellte sich mir im Kontext sowohl in Bezug auf Literatur als auch Kunst die Frage nach Qualitätsmerkmalen. Gibt es objektive Kriterien?

Neben Stichworten wie handwerklichem Können, intellektuellem Anspruch, Erfolgsaussichten, Zeitgeist und Geschmackssache fällt mir vor allem eines ein: Auseinandersetzung. Dazu braucht es unbedingt ein subjektives Empfinden.

Warum sollte etwas disqualifiziert werden, das mit Herzblut gemalt oder geschrieben wurde, was Ansprüchen anderer nicht genügen mag? Wozu eine Zensur?

Wenn ich mit einem Werk nichts anfangen kann, weil es mir beliebig, nichtssagend oder dilettantisch erscheint, kann es dennoch für einen anderen Menschen von Bedeutung sein.

Sowohl beim Lesen & Schreiben als auch bei der bildenden Kunst ist für mich der wichtigste Aspekt eine persönliche Resonanz, die Auseinandersetzung und der damit verbundene kreative Prozess.

Ich höre auf meine innere Stimme, die mich zu diesem hinzieht und mich jenes links liegen-, stehen- oder hängen lässt.

3 Hochzeiten

Veranstaltungsreigen

Am vergangenen Wochenende gaben sich mehrere Veranstaltungen die Klinke in die Hand, weshalb ich mich aufteilen musste.

Also hat sich einiges angesammelt, was ich zu verarbeiten habe. Dabei bin ich noch nicht einmal dazu gekommen, das vorherige Wochenende mit der Abschlussveranstaltung für den „Hamburger Gast“ Revue passieren zu lassen.

Die Arbeit und Vorbereitungen für die kommenden Ereignisse hielten mich von einer Lobeshymne ab. Doch hier und jetzt will ich meine Begeisterung wenigstens kurz in Worte fassen.

Ein dickes Dankeschön an alle Beteiligten: Dem Gast und Schreibtalent Tilmann Strasser, Ella & Huug, den Initiatoren und Gastgebern des Stadtschreibers, sowie den Geldgebern, die dieses Format möglich machen!

Nach der Arbeitswoche musste/ wollte/ konnte ich gleich auf mehreren Hochzeiten tanzen. Erstens stand die BookOldesloe auf dem Programm, dann zwei Veranstaltungen im Rahmen des Harburger Kulturtages.

Weil ich mich nicht dreiteilen kann, verbrachte ich Freitag und Samstag Zeit bei der Buchmesse, und Sonntag wechselte ich in der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche zwischen zwei Ausstellungen, an denen ich beteiligt war.

Bei der Buchmesse gab es viele Lesungen und viele Stände mit Autoren, die ihre Werke priesen. Dass es einigen an Fingerspitzengefühl mangelte, will ich ihnen nachsehen – schließlich sind sie Autoren und keine Verkäufer.

Ich versuchte mich zu behaupten, wenn sie mich augenblicklich zutexteten, sobald ich ihr Buch in die Hand genommen hatte. Leider sehe ich mich außerstande, gleichzeitig zu lesen und zuhören, sodass mir die Erfahrung eine Lehre war. Ich schlussfolgerte: Man lasse die Besucher in Ruhe und warte ab, ob sie lieber ersteinmal in etwas hineinlesen möchten oder Fragen haben bzw. Auskunft wünschen.

Von einer guten Geschäftsfrau bin ich selber denkbar weit entfernt, aber wenigstens falle ich nicht mit der Tür ins Haus, sondern klopfe vorsichtig an.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen erstand ich im Laufe eines einzigen Tages sieben Bücher. Da verlor ich also wieder einmal die Kauf-Kontrolle und ließ mich hinreißen. Neugier und Habsucht gewannen die Oberhand. Mein Verstand konnte sich leider nicht durchsetzen, der besorgt nachfragte, wann ich das eigentlich alles lesen will. Er wartet bis heute auf die Antwort.

Sonntag ging es dann in die Kirche, d. h. die Ex-Kirche. Dreifalt, der Ort für Kunst, Kultur und Kreativität. Im Obergeschoss gab es die Ausstellung zeichnerischer Dialoge, darunter zwei, die ich selbst mit Harald Finke geführt hatte. Um ehrlich zu sein, erfuhr ich erst wenige Tage zuvor, dass ich oben wie unten hängen würde.

Denn eigentlich war ich nur auf das „Weltfest der Götter“ im Kirchenschiff vorbereitet. Zum einen wurden Bilder und Skulpturen ausgestellt, die im Rahmen eines Kunstprojektes entstanden waren, zum anderen waren während eines kreativen Schreibworkshops Worte und Sätze gesammelt worden, um daraus „Götterspeise für die Ohren“ zu machen.

Die Klangkirche war der stimmige Ort für die Veranstaltung, bot er doch viel Platz für unterschiedliche Vorstellungen von Kunst und Glaubensfragen sowie eine gute Akustik für die arabische Musik als Zwischenspiel bei den Lesungen.

Mir hat das Fest viel Freude bereitet und mich anderen Menschen nähergebracht. Die beiden Texte, die ich verfasste kann man in meiner Tagesbücherei nachlesen.

 

Selbst Darstellung

echt?

Um die Katze gleich aus dem Sack zu lassen: Philo Sophie Selbst-Zweifel ist eine reine Erfindung von mir. Ich mache mir zwar viele Gedanken in den Kolumnen beim Online Feuilleton TIEFGANG der Initiative Suedkultur, wage jedoch nicht zu behaupten, Gott und die Welt zu kennen.

Das macht nichts; Dafür habe ich andere Kontakte, und zwar in meinem persönlichen Umfeld.  Ich ließ meine Beziehungen spielen, um einen Sammelband herauszubringen. Er trägt den Titel Ansichtssache, wurde von awsLiteratur veröffentlicht und müsste in wenigen Tagen lieferbar sein.

Der Harburger Künstler Ralf Schwinge setzte mich ins Bild, weil ich ihn darum bat.  Jetzt kann ich Werbung damit machen, wie er mich sieht.

Das selbstgefällige Grinsen spricht für meinen Humor und steht mir besser als gramgebeugte Mundwinkel. Der Körper dient der Denkerpose.  Weil ich nichts anhabe, könnte ich mich ein wenig bloßgestellt fühlen, andererseits spricht auch einiges für die Andeutung der nackten Wahrheit.

Öffentlichkeitswirksam hängte ich vor kurzem den Deckmantel der Anonymität an den Nagel, und nun ist er weg. Für Garderobe wird in der Regel nicht gehaftet, das hätte ich mir denken können. Wenn ich eines Tages meinen Hut nehmen und verschwinden möchte, ist er hoffentlich noch da.

Aber ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass neben dem Original Nachahmungen in Umlauf sein könnten. Bei einer Gegenüberstellung erkennt man jedoch deutlich, dass es sich bei der rechten Abbildung um eine plumpe Fälschung handelt:

  • schwarz-weiß
  • heller, aber zu kleiner Kopf
  • gesichtslos
  • keine grauen Haare
  • fehlende Schrift