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Offline

on stage

Reinhard Wilkens und Sabine Dreismann bei der Aufzeichnung für das Online-Event, abstandshalber.

        

Weitere Aufnahmen werden noch eingespielt und zusammengebastelt. Ich bin gespannt auf den Mix, der im Mai gezeigt werden soll. Dann steht ja auch der Fischhallengeburtstag vor der Tür und die Gäste kommen nicht herein!

Jedenfalls nicht live. Deshalb der Online-Auftritt. Ich selber habe auch etwas gelesen. Ein Märchen, eine Satire und etwas Autobiografisches. Kurz und knapp, eine Erfahrung mit ganz eigenem Charme.

wählerisch

online

Heute Abend soll in der Fischhalle etwas aufgezeichnet werden. Im Mai gibt es dann einen Mix aus Musik und Lesung kurzer Texte. Werner Pfeifer hatte mich gefragt, ob ich Lust hätte, mitzuwirken.

Ich erbat mir ein wenig Bedenkzeit, horchte ich mich hinein, grübelte über mögliche Beiträge und sagte dann zu. Es wird merkwürdig werden, denn eigentlich lege ich ja insbesondere Wert auf Resonanz mit dem Publikum.

Andererseits fühle ich mich geehrt, dass ich gefragt wurde, und darüber hinaus reizt mich die neue Erfahrung. Vielleicht kommt am Ende etwas Gutes dabei heraus, wenn ich mich auf eine allererste Online-Lesung einlasse.

Bühnenbild

Bilder und Sessel im Dialog

Es wurde eine stimmige Tandem-Lesung. Ursprünglich wollte ich den Bildern die Bühne überlassen und mich davor setzen. Aber es kam anders.

Damit man mich sehen und auch besser verstehen kann, sollte ich dann doch dort oben Platz nehmen. Mit schön sonorer Stimme wurde ich tatkräftig von Wolf Puschmann unterstützt, der sich darauf vorbereitet hatte, mich im Fall der Fälle zu vertreten.

Ich dachte mir, es wäre ja mal interessant, meinen eigenen Gedanken zu lauschen. Er verlieh den Texten einen anderen Klang, der in seiner Tiefe beim Publikum sehr gut ankam.

So stellten wir nach der Pause einen zweiten Sessel auf die Bühne, um die restliche Lesung Seite an Seite zu bestreiten und uns abzuwechseln. Mir hat das ausgesprochen gut gefallen, eine vielversprechende, neue Erfahrung.

Sogar die Sessel harmonieren mit den Bildern, als hätten es bis ins Detail geplant…, dabei entstand der Umbau spontan und natürlich.

 

Bühnenerfahrung

Sommer im Park

Meinen Auftritt habe ich dann trotz aller Aufregung im Vorwege ganz gut über die Bühne gebracht. Wegen wackeliger Beine bekam ich wie gewünscht sogar einen Stuhl gestellt.

Mein zartgrünes Nervenkostüm blieb erstaunlich gut erhalten.

Dieses Fest fand ich besser als das im letzten Jahr, und ich würde mal vermuten, da ist weiterhin Luft nach oben insbesondere vom Wetter her. Was als Platz an der Sonne gedacht war, nun ja, … Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.

Es tat mir ein wenig leid, die Besucher im Regen stehen lassen zu müssen, während ich ein Dach über dem Kopf hatte. Allen, die gekommen sind, gebührt eine Tapferkeitsmedaille.

Ob meine Kolumnen bei allen gut ankamen, vermag ich nicht zu beurteilen, aber mir kamen meine Texte ganz gut über die Lippen, und meine Aussprache sollte verständlich gewesen sein.

Im Nachhinein bedauere ich nur, dass ich meine Rolle bei SuedKultur nicht klarer definierte, und ich wollte eigentlich auch mehr Werbung für die Kunstleihe machen.

Nachdem ich meinen Auftritt unerwartet unerschrocken absolviert hatte, feierte ich noch mit lieben Leuten vor der Bühne weiter. Ich war ja nicht nur meinetwegen gekommen, sondern auch, um anderen zu lauschen.

Sehr gut gefiel mir „Lieblingsfarbe Schokolade“, und das absolute Highlight für mich persönlich war Musikkabarettist Johannes Kirchberg. „Ich dagegen bin dafür“, dass die im nächsten Jahr wieder mitmachen.

Déjà-vu

kommt mir irgendwie bekannt vor

Immer das gleiche: Kaum zählt die Sonnenuhr die ersten lichten Momente und lockt uns alle ins Freie, fange ich mir eine Erkältung ein, denn die frische Luft führt einen kalten Hauch mit sich, der es in sich hat.

Weil man aus Erfahrung bekanntlich klug wird, fühle ich mich stets bestens gewappnet, d. h. ich BIN warm angezogen, ich PASSE auf, und doch… Wieder einmal hat es mich hinterrücks erwischt und niedergestreckt. Ich glaube, mein Schwein pfeift… mal wieder aus dem letzten Loch.

Zur Bettruhe verdammt, versuche ich, den Sonnenstrahlen, die ins Schlafzimmer scheinen, etwas abzugewinnen. Ein schwacher Trost…

 

Lektüre

Schriftsteller

Im Urlaub hatte ich weiter in einem autobiografischen Werk von Elias Canetti gelesen. Eine Lektüre, die mich sehr für ihn einnahm.

Voller Bewunderung denke ich, SO würde ich auch gerne erzählen können. In mir wird es still vor Ehrfurcht. Die Zeit bleibt stehen, Gedanken lassen sich nieder und ruhen eine Weile in mir.

Vielleicht entsteht daraus eines späteren Tages etwas Eigenes, angereichert mit meiner persönlichen Lebenserfahrung.

Doch im Moment bin ich ganz mit der Aufnahme beschäftigt. Wenn ich in die Lektüre beeindruckender Schriftsteller eintauche, stelle ich mir unwillkürlich die kleinlaute Frage, was ich mir dagegen zusammenschreibe.

Und doch, beides ist befriedigend: zu lesen, wenn andere mir aus der Seele sprechen, als auch selber Worte zu finden und auszudrücken, was mir in den Sinn kommt.

Meine Wahrnehmung ist ein Tropfen in einem Meer von Möglichkeiten. Doch alles fließt zusammen und enthält das Salz des Lebens.

Kunst und Literatur

bewegend

Gestern wurden in der neu eröffneten Kunstleihe Harburg erstmalig Bilder verliehen. Gleich sieben Werke fanden Abnehmer und haben nun für ein Vierteljahr ein neues Zuhause.

Wie ich über das Konzept denke, kann man hier nachlesen: http://www.sued-kultur.de/tiefgang/bedeutung-verleihen/

In dem Buch „Fackel im Ohr“ von Elias Canetti stieß ich vor zwei Tagen auf eine Textpassage, die mich nachhaltig beschäftigt. Darin beschreibt er die Beziehung zwischen Kunst und Betrachter so eindringlich, das ich ihn hier gerne für sich selber sprechen lassen möchte.

„Denn ein Weg zur Wirklichkeit geht über Bilder. Ich glaube nicht, daß es einen besseren Weg gibt. Man hält sich an das, was sich nicht verändert, und schöpft damit das immer Veränderliche aus. (…)

Es ist aber wichtig, daß diese Bilder auch außerhalb vom Menschen bestehen, in ihm sind selbst sie der Veränderlichkeit unterworfen. Es muß einen Ort geben, wo er sie unberührt finden kann, nicht er allein, einen Ort, wo jeder, der unsicher wird, sie findet.

Wenn er das Abschüssige seiner Erfahrung fühlt, wendet er sich an ein Bild. Da hält die Erfahrung still, da sieht er ihr ins Gesicht. Da beruhigt er sich an der Kenntnis der Wirklichkeit, die seine eigene ist, obwohl sie ihm hier vorgebildet wurde.

Scheinbar wäre sie auch ohne ihn da, doch dieser Anschein trügt, das Bild braucht seine Erfahrung, um zu erwachen. (…)

Stark fühlt sich, wer die Bilder findet, die seine Erfahrung braucht. (…) Mein Glück war es, daß ich in Wien war, als ich solche Bilder am meisten brauchte. Gegen die falsche Wirklichkeit, mit der man mich bedrohte, die der Nüchternheit, der Starrheit, des Nutzens, der Enge, musste ich die andere Wirklichkeit finden, die weit genug war, um auch ihrer Härten Herr zu werden und ihnen nicht zu erliegen.“

begriffsstutzig

verlassene Heimat

„Flüchtling“. Nur ein Wort.

Für einige der falsche Begriff, für andere etwas, das sie sich übergehört, und trotzdem wenig verstanden haben.

Wer selber aus Not seine Heimat verlassen musste, hat ein tieferes Verständnis, weil eigene Erinnerungen und schmerzliche Gefühle damit verbunden sind.

Welche Bezeichnung wäre angemessen, um dem Bruch und Bestandteil menschlicher Biografien gerechter zu werden?

Das Wort ist das eine, die Bedeutung das andere, die wir ihm selber verleihen. Je nachdem ob oder mit welchem Inhalt ist es fülle, bleibt es leere Worthülse oder bekommt eine bestimmte Bedeutung.

Es gibt viele Möglichkeiten: Ich kann einem Geflüchteten oberflächlich begegnen, misstrauisch und ablehnend. Auch aus Eigennutz, aus Selbstbeweihräucherung und, um mir vielleicht ein allgemeines Urteil anzumaßen.

Aber ich kann auch versuchen, dem Mitmenschen zu begegnen, dessen Schicksal es war, vor unvorstellbarer Angst vor Verfolgung, Folter und Krieg zu fliehen.

Das Ringen um die richtigen Worte könnte ein wichtiger Bestandteil einer guten Auseinandersetzung sein.

neue Erfahrung

Lektion in Sachen Vor-Lesung

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Ich blieb höflichkeitshalber bis zur Pause einer Lesung, die mir nicht gefiel. Ich bekam jede Menge Daten, Namen, historisches und geografisches Hintergrundwissen zu hören.

Sicher, die Fakten mögen für sich genommen interessant gewesen sein, aber ich fühlte mich ganz und gar nicht angesprochen davon. Ich wollte keinen Vortrag hören, sondern einer Lesung lauschen.

Letztendlich lernte ich daraus, dass ich persönlich angerührt werden möchte.

beflügelt