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Bühnenerfahrung

Sommer im Park

Meinen Auftritt habe ich dann trotz aller Aufregung im Vorwege ganz gut über die Bühne gebracht. Wegen wackeliger Beine bekam ich wie gewünscht sogar einen Stuhl gestellt.

Mein zartgrünes Nervenkostüm blieb erstaunlich gut erhalten.

Dieses Fest fand ich besser als das im letzten Jahr, und ich würde mal vermuten, da ist weiterhin Luft nach oben insbesondere vom Wetter her. Was als Platz an der Sonne gedacht war, nun ja, … Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.

Es tat mir ein wenig leid, die Besucher im Regen stehen lassen zu müssen, während ich ein Dach über dem Kopf hatte. Allen, die gekommen sind, gebührt eine Tapferkeitsmedaille.

Ob meine Kolumnen bei allen gut ankamen, vermag ich nicht zu beurteilen, aber mir kamen meine Texte ganz gut über die Lippen, und meine Aussprache sollte verständlich gewesen sein.

Im Nachhinein bedauere ich nur, dass ich meine Rolle bei SuedKultur nicht klarer definierte, und ich wollte eigentlich auch mehr Werbung für die Kunstleihe machen.

Nachdem ich meinen Auftritt unerwartet unerschrocken absolviert hatte, feierte ich noch mit lieben Leuten vor der Bühne weiter. Ich war ja nicht nur meinetwegen gekommen, sondern auch, um anderen zu lauschen.

Sehr gut gefiel mir „Lieblingsfarbe Schokolade“, und das absolute Highlight für mich persönlich war Musikkabarettist Johannes Kirchberg. „Ich dagegen bin dafür“, dass die im nächsten Jahr wieder mitmachen.

Déjà-vu

kommt mir irgendwie bekannt vor

Immer das gleiche: Kaum zählt die Sonnenuhr die ersten lichten Momente und lockt uns alle ins Freie, fange ich mir eine Erkältung ein, denn die frische Luft führt einen kalten Hauch mit sich, der es in sich hat.

Weil man aus Erfahrung bekanntlich klug wird, fühle ich mich stets bestens gewappnet, d. h. ich BIN warm angezogen, ich PASSE auf, und doch… Wieder einmal hat es mich hinterrücks erwischt und niedergestreckt. Ich glaube, mein Schwein pfeift… mal wieder aus dem letzten Loch.

Zur Bettruhe verdammt, versuche ich, den Sonnenstrahlen, die ins Schlafzimmer scheinen, etwas abzugewinnen. Ein schwacher Trost…

 

Lektüre

Schriftsteller

Im Urlaub hatte ich weiter in einem autobiografischen Werk von Elias Canetti gelesen. Eine Lektüre, die mich sehr für ihn einnahm.

Voller Bewunderung denke ich, SO würde ich auch gerne erzählen können. In mir wird es still vor Ehrfurcht. Die Zeit bleibt stehen, Gedanken lassen sich nieder und ruhen eine Weile in mir.

Vielleicht entsteht daraus eines späteren Tages etwas Eigenes, angereichert mit meiner persönlichen Lebenserfahrung.

Doch im Moment bin ich ganz mit der Aufnahme beschäftigt. Wenn ich in die Lektüre beeindruckender Schriftsteller eintauche, stelle ich mir unwillkürlich die kleinlaute Frage, was ich mir dagegen zusammenschreibe.

Und doch, beides ist befriedigend: zu lesen, wenn andere mir aus der Seele sprechen, als auch selber Worte zu finden und auszudrücken, was mir in den Sinn kommt.

Meine Wahrnehmung ist ein Tropfen in einem Meer von Möglichkeiten. Doch alles fließt zusammen und enthält das Salz des Lebens.

Kunst und Literatur

bewegend

Gestern wurden in der neu eröffneten Kunstleihe Harburg erstmalig Bilder verliehen. Gleich sieben Werke fanden Abnehmer und haben nun für ein Vierteljahr ein neues Zuhause.

Wie ich über das Konzept denke, kann man hier nachlesen: http://www.sued-kultur.de/tiefgang/bedeutung-verleihen/

In dem Buch „Fackel im Ohr“ von Elias Canetti stieß ich vor zwei Tagen auf eine Textpassage, die mich nachhaltig beschäftigt. Darin beschreibt er die Beziehung zwischen Kunst und Betrachter so eindringlich, das ich ihn hier gerne für sich selber sprechen lassen möchte.

„Denn ein Weg zur Wirklichkeit geht über Bilder. Ich glaube nicht, daß es einen besseren Weg gibt. Man hält sich an das, was sich nicht verändert, und schöpft damit das immer Veränderliche aus. (…)

Es ist aber wichtig, daß diese Bilder auch außerhalb vom Menschen bestehen, in ihm sind selbst sie der Veränderlichkeit unterworfen. Es muß einen Ort geben, wo er sie unberührt finden kann, nicht er allein, einen Ort, wo jeder, der unsicher wird, sie findet.

Wenn er das Abschüssige seiner Erfahrung fühlt, wendet er sich an ein Bild. Da hält die Erfahrung still, da sieht er ihr ins Gesicht. Da beruhigt er sich an der Kenntnis der Wirklichkeit, die seine eigene ist, obwohl sie ihm hier vorgebildet wurde.

Scheinbar wäre sie auch ohne ihn da, doch dieser Anschein trügt, das Bild braucht seine Erfahrung, um zu erwachen. (…)

Stark fühlt sich, wer die Bilder findet, die seine Erfahrung braucht. (…) Mein Glück war es, daß ich in Wien war, als ich solche Bilder am meisten brauchte. Gegen die falsche Wirklichkeit, mit der man mich bedrohte, die der Nüchternheit, der Starrheit, des Nutzens, der Enge, musste ich die andere Wirklichkeit finden, die weit genug war, um auch ihrer Härten Herr zu werden und ihnen nicht zu erliegen.“

begriffsstutzig

verlassene Heimat

„Flüchtling“. Nur ein Wort.

Für einige der falsche Begriff, für andere etwas, das sie sich übergehört, und trotzdem wenig verstanden haben.

Wer selber aus Not seine Heimat verlassen musste, hat ein tieferes Verständnis, weil eigene Erinnerungen und schmerzliche Gefühle damit verbunden sind.

Welche Bezeichnung wäre angemessen, um dem Bruch und Bestandteil menschlicher Biografien gerechter zu werden?

Das Wort ist das eine, die Bedeutung das andere, die wir ihm selber verleihen. Je nachdem ob oder mit welchem Inhalt ist es fülle, bleibt es leere Worthülse oder bekommt eine bestimmte Bedeutung.

Es gibt viele Möglichkeiten: Ich kann einem Geflüchteten oberflächlich begegnen, misstrauisch und ablehnend. Auch aus Eigennutz, aus Selbstbeweihräucherung und, um mir vielleicht ein allgemeines Urteil anzumaßen.

Aber ich kann auch versuchen, dem Mitmenschen zu begegnen, dessen Schicksal es war, vor unvorstellbarer Angst vor Verfolgung, Folter und Krieg zu fliehen.

Das Ringen um die richtigen Worte könnte ein wichtiger Bestandteil einer guten Auseinandersetzung sein.

neue Erfahrung

Lektion in Sachen Vor-Lesung

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Ich blieb höflichkeitshalber bis zur Pause einer Lesung, die mir nicht gefiel. Ich bekam jede Menge Daten, Namen, historisches und geografisches Hintergrundwissen zu hören.

Sicher, die Fakten mögen für sich genommen interessant gewesen sein, aber ich fühlte mich ganz und gar nicht angesprochen davon. Ich wollte keinen Vortrag hören, sondern einer Lesung lauschen.

Letztendlich lernte ich daraus, dass ich persönlich angerührt werden möchte.

beflügelt

Jubel, Trubel, Heiterkeit

Wie passt das zusammen?

Marterpfahl

Wenn ich zu einer Lesung gehe und nebenher ausgelassen Kneipenbetrieb herrscht oder in Cafés mit Geschirr geklappert wird, sagt mir mein Gehör: Ich kann so nicht arbeiten!

Ich fühlte mich wie an einen Marterpfahl gefesselt. Gefesselt von der Lesung, gemartet von den Nebengeräuschen, die mir den Genuss verleideten.

Wäre ich Veranstalter einer Lesung, schenkte ich dem mehr Aufmerksamkeit und sorgte für ausreichend Raum und Ruhe, denn Konkurrenz bei der Geräuschkulisse halte ich für kontraproduktiv. Aus mir spricht die Erfahrung: Das kann Nerven töten.

Ich denke, man sollte wissen, was man bieten will und eine eindeutige Entscheidung fällen, damit sich die Gäste nicht gegenseitig ins Gehege kommen.

Grundsätzlich bin ich für gute Mischungen und Wechselwirkungen, aber in diesem Fall höre ich lieber auf meine Ohren, die ausnahmsweise nicht offen für alles sind.

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Trotz der widrigen Umstände blieben einzelne Perlen am Kreuzgang meines Gehörs hängen.

Kreuzgang

Odyssee

wenn der Weg zur Arbeit wird

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Der Ausnahmezustand gehört zur Normalität. Als ich mich auf den Weg zur Arbeit machte, schätze ich mich glücklich, weil mein Schatz mich bis zum Bahnhof mit dem Auto mitgenommen hatte, wo ich den Regionalzug nehmen wollte, um dem Schienenersatzverkehr aus dem Weg zu gehen.

Die Mitfahrgelegenheit sparte immerhin schon mal 1 x Bus und 1 x S-Bahn. Doch am Bahnhof gab es die Info, dass der Metronom 25 Minuten Verspätung hätte.

Kurzentschlossen disponierte ich um und ging zur Haltestelle vom SEV. Der Bus war noch gar nicht voll, fuhr aber schon ab, ohne mich, leider. Ich wartete auf den nächsten. Der Verkehr war stockend.

Am Ende der Fahrt ging ich x-hundert m bis zum Bahnsteig der S-Bahn. Die nächste sollte in 9 Minuten kommen. Ich wartete geduldig, stieg dann zwei Stationen später wieder aus, um dort mit dem Bus den Rest bis zum Arbeitsplatz zu fahren.

Es war erst mein dritter Tag. Ich kannte mich also nicht so gut aus, denn dies war eine andere Strecke als die, die ich die beiden Tage zuvor genommen hatte. Zur besseren Übersicht: Tag 1 und 2 nahm ich erst den Bus, dann die S-Bahn, den Regionalzug, die U-Bahn und wieder den Bus. An Tag 3: Auto statt Bus u. S-Bahn, Bus (SEV), S-Bahn, Bus.

Ich sah jenen, den ich nehmen wollte, an der Kreuzung, aber er kam nicht um die Ecke, sondern stand still, mit Warnblinkanlage. Ich war unschlüssig, ob ich wieder zum Gleis hochgehen sollte, um meine Reise wieder mit der S-Bahn fortzusetzen, um dann in die U-Bahn umzusteigen und dann in den Bus der mir vertrauten Linie.

Denn ich hatte große Zweifel, wie der nächste Bus an dieser Blockade vorbeikommen könnte. Doch dann geschah ein kleines Wunder und der Bus setzte sich in Bewegung.

Allerdings nur, um an der Haltestelle endgültig abgestellt zu werden. Irgendein Defekt, der dieses Fahrzeug aus dem Verkehr zog.

Wenigstens war die Straße jetzt wieder frei. Der nächste Bus kam und ich erkundigte mich, ob ich besser bei Haltestelle X oder Y aussteigen sollte, wenn ich in die Z-Straße will. Der Fahrer wusste es nicht.

Allerdings stellte sich etwas später heraus, dass ich nicht die Qual der Wahl hatte, denn während der Fahrt kam eine Ansage, dass wegen einer Umleitung keine der beiden Haltestellen angefahren werden konnte. Der Fahrer hörte dies wohl auch zum ersten Mal.

Es war dieser Moment, der mir den Rest gab und mich leicht entnervt die letzten paar Hundert Meter Umweg zurücklegen ließ.

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Diese Erfahrung liegt nun schon einige Monate zurück und ich konnte sie zum Glück erfolgreich verarbeiten, wie man sieht.

Feuchtgebiete

 mal wieder Matsch

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Der Spaziergang am Wochenende war feuchtfröhlich. Einerseits hatte ich meine Freude an den vielen Farben des bunten Herbstlaubs, andererseits bekam ich nasse Füße.

Als aus Waldwegen Wasserstraßen wurden, bereute ich, keine Gummistiefel angezogen zu haben. Es war ein sportlicher Parkour.

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Aber eben auch ganz hübsch. Ich musste nur genau hinschauen, wo ich hintrete.

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Zu allem Überfluss fing es dann auch noch an zu regnen.

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Himmel, was hast du dir dabei gedacht?, fragte ich ihn und mich. Soll ich hier etwa absaufen?

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Nein, natürlich nicht! In Pfützen ist noch niemand zugrunde gegangen. Was vielmehr zählt, ist: Die Augen offen halten, sich Herausforderungen stellen und Erfahrungen sammeln, am besten in geeignetem Schuhwerk.

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Vorratskammer

Leben ist live und in Farbe

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Schreiben geht allerdings auch aus der Konserve. Es ist mir zur lieben Gewohnheit geworden, täglich einen Blog zu veröffentlichen. Bis auf wenige Ausnahmen.

Beispielsweise, wenn ich weg bin vom homeoffice. Oder Besseres zu tun habe. Oder eine frische Erfahrung sacken lassen möchte. Dann greife ich auf Entwürfe zurück, die ich auf Lager habe.

Deshalb ist nicht alles, was hier steht, brandaktuell. Dafür allerdings immer gut durchdacht und manchmal bewegend.

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